«Gerade in einer immer älter werdenden Gesellschaft gibt es noch viel zu tun für Wissenschaft und Medizin», betont Thomas B. Cueni, Geschäftsführer von Interpharma, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz: «Bessere und neue Therapien gegen Krankheiten wie Multiple Sklerose, Parkinson, Alzheimer oder Krebs können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Patienten unter besseren Voraussetzungen länger leben können.» Damit verbunden seien kürzere Spitalaufenthalte, weniger Pflegekosten oder eine raschere Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess. Die Pharmaunternehmen geben für Forschung und Entwicklung mehr Geld aus als irgendeine andere Branche. Bei Novartis etwa gehen 17 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung, bei Roche sind es sogar 20 Prozent. Rund 6,5 Milliarden Franken geben die Pharmafirmen in der Schweiz jährlich für die Forschung aus. Damit leisten sie rund 40 Prozent der privatwirtschaftlichen Forschung und Entwicklung und 30 Prozent aller Exporte der Schweiz. Die Branche beschäftigt 36700 Mitarbeitende. Berücksichtigt man zudem die mit ihr kooperierenden Unternehmen hängen mehr als 135000 Arbeitsplätze von der Pharmaindustrie ab. Die Wertschöpfung ist mit 400000 Franken pro Erwerbstätigem und Jahr mehr als dreimal so hoch wie die Produktivität der Gesamtwirtschaft. Die Branche ist zudem ausgesprochen widerstandsfähig gegenüber konjunkturellen ­Einbrüchen.

Trotzdem besteht ­Handlungsbedarf
«Unsere Gesellschaft lebt mit einem wachsenden Anteil an älteren Leuten», gibt Thomas B. Cueni zu bedenken: «Da es Krankheiten gibt, die insbesondere im Alter vermehrt auftreten wie etwa Alzheimer muss sich die Medizin dieser Herausforderung stellen. Unsere Branche kann dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.» Deshalb dürfte sie auch grosses Zukunftspotenzial haben, dank hoher Innovationskraft. Leider fehle zurzeit bei Politik und Behörden das klare Bekenntnis zum Forschungsstandort Schweiz, bedauert Cueni. Die Zulassungsverfahren für neue Medikamente dauerten zu lange: «Viele Patienten warten länger als anderswo auf neue Medikamente.» Dasselbe gelte für Entscheide des Bundes zur Vergütung von Leistungen durch die Krankenversicherer. Ebenso seien Genehmigungsverfahren für klinische Studien zu umständlich: «All dies schadet dem Forschungsplatz Schweiz.» Auch beim Stichwort Personenfreizügigkeit ortet Cueni Handlungsbedarf: «Diese ist angesichts des Fachkräftemangels für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz von entscheidender Bedeutung.»