Die Blockchain erstellt...

...funktionsfähige und dezentrale Datensätze von Transaktionen, wobei eine grosse Anzahl proprietärer Datenbanken durch eine einzelne und unverletzbare Datenbank ersetzt wird.


«Dies wird längerfristig zu einer radikalen Vereinfachung und Kostenreduktion für grosse Teile des Finanzsystems und der Bankenwelt führen. Zudem gilt die Technik als sicher und zuverlässig», sagt Damir Bogdan. 
 

Der frühere Chief Information Officer von Raiffeisen ist heute als Gründer von Actvide und als Berater für Digitalisierung und Innovation im Silicon Valley und in Europa tätig, gleichzeitig engagiert er sich als Mentor für Fintech-Startups.

Der Einsatz der Blockchain eignet sich überall da, wo es früher einen Mittelsmann brauchte. Dazu Bogdan: «Zum Beispiel kann im Bereich der Geldüberweisung in andere Länder (Heimatüberweisung ‘remittance’) mit Hilfe von Blockchain garantiert werden, dass die Gelder 1:1 an die Person gelangen, für die es auch gedacht war.»

Entwicklung neuer Geschäftsmodelle

Damir Bogdan betont, dass es bei der anstehenden Stufe der Digitalisierung nicht mehr nur darum geht, bestehende Geschäftsmodelle zu automatisieren, sondern darum, komplett neue Modelle zu entwickeln.

«Es ist deshalb entscheidend, dass in den strategischen Führungsebenen Leute sitzen, die ein Interesse und eine Affinität zu den neuen Technologien mitbringen.» Laut Bogdan kommt das Bewusstsein, was Digitalisierung ist und welch grosses Potential diese hat, erst langsam in den Köpfen der Führungskräfte an.

Allerdings warnt er vor zu grosser Euphorie. Nach einem ersten grossen Hype mit überzogenen Erwartungen zeichnen sich nun allmählich diejenigen Bereiche ab, in denen man tatsächlich nutzenstiftende Anwendungen realisieren kann.

Bis sich die Blockchain auf breiter Basis durchgesetzt hat, wird es noch einige Zeit dauern. Bogdan rechnet hier mit einem Zeitraum von 5-10 Jahren. „Ich bin aber überzeugt, dass Blockchain den grossen Durchbruch erleben und viele Businessmodelle verändern wird.»

Kryptoland Schweiz?

Dabei gilt es, frühzeitig mit von der Partie zu sein. Nach aussen gilt die Schweiz als Vorzeigeland für die Blockchain-Technologie. Schon über 350 Blockchain-Unternehmen haben sich in der Schweiz niedergelassen, vorwiegend im «Crypto Valley» zwischen Zürich und Zug, aber auch in den Regionen um Lugano und Genf. Schätzungsweise 850 Millionen Franken haben Schweizer Firmen im vergangenen Jahr durch "Initial Coin Offering" (ICO) beschafft.

Das ist eine neuartige Form der Kapitalbeschaffung durch Nutzung von Blockchain. «Beim Volumen von ICO gehören wir zur Spitzengruppe, zusammen mit Staaten wie Singapur, Israel, Grossbritannien und den USA». Damir Bogdan mahnt aber auch hier zu Zurückhaltung.

Denn nur bei schätzungsweise 10-20 Prozent dieser ICO stecken Geschäfte dahinter, die tatsächlich einmal auch einen Mehrwert generieren werden. Der Rest wird sich schnell in heisse Luft auflösen. «Meines Erachtens sollte die Schweiz nicht zu einseitig auf diesen ICO Boom aufspringen, das könnte eine Gefahr für den Ruf des Finanzplatzes Schweiz darstellen.“

«Unser Leben wird grundlegend verändert werden»

Der Finanzexperte ist überzeugt, dass die Blockchain, gepaart mit künstlicher Intelligenz, unser Leben mittelfristig grundlegend verändern wird. Insbesondere in der Finanzwelt könne durch künstliche Intelligenz eine Revolution eingeleitet werden.

«Mit künstlicher Intelligenz wird es immense Veränderungen geben, denn die Anwendbarkeit übersteigt schon heute häufig menschliche Fähigkeiten. Ob im Kundenservice, im Backoffice oder in anderen Banking-Bereichen.»

Gleichzeitig werden neue Finanzunternehmen auf den Markt drängen und versuchen Bankkunden an sich zu reissen. Deshalb stellt sich Damir Bogdan die drängenden Fragen:

  • Wie wird die künftige Bank aussehen?
  • Werden Google und Apple die Banken der Zukunft?
  • Oder werden es die Challenger Banken sein – neu gegründete Institute mit Dienstleistungen wie sie traditionelle Banken erbringen, einfach schneller, intelligenter, günstiger?
  • Wie können Banken mit Fintechs zusammenarbeiten?

Diese Fragen gilt es zu beantworten – individuell für jedes Institut. «Um für das Kommende gewappnet zu sein, verbringe ich rund ein Viertel meiner Zeit im Silicon Valley und bringe das Gelernte zurück in den Schweizer Kontext», so Bogdan abschliessend.