Herr Bona, seit 2009 leiten Sie die Empa. Wie ist Ihre Handschrift zu erkennen?
Bis vor zwölf Jahren war die Empa mehr oder weniger eine reine Prüfanstalt. Spitzenforschung wurde nur wenig betrieben. Dann kam mein Vorgänger, Louis Schlapbach, an die Spitze und baute die wissenschaftliche Exzellenz auf. Seitdem setzen wir voll auf Forschung und Innovation.

Und diesen Weg führen Sie jetzt weiter?
Ja. In meiner beruflichen Laufbahn bin ich immer zwischen Forschung und Praxis hin und her gependelt. Und diese Verbindung prägt nun auch die tägliche Arbeit an der Empa.

Können Sie das ein wenig näher erklären?
Es geht der Empa darum, ihre Forschungsergebnisse sozusagen auf den Markt zu bringen. Wir versuchen so zu arbeiten, dass unsere Produkte und Technologien für unsere Industriepartner einen Wettbewerbsvorteil und somit einen echten Mehrwert darstellen. Dank dem regen Austausch zwischen Forschung und Privatwirtschaft, dank dem Zusammenführen von Kreativität und Qualität können wir innovative, nachhaltige Projekte mit der Schweizer Wirtschaft realisieren.

Haben Sie ein Beispiel dafür?
Wir sind gerade daran, auf Basis so genannter elektroaktiver Polymere (EAP) künstliche Muskeln für den menschlichen Körper herzustellen. Das wird in zehn bis zwanzig Jahren ein Meilenstein in der Medizin sein, davon bin ich überzeugt.

Was fehlt dazu noch?
Die elektrische Spannung auf den EAP ist noch zu hoch. In der Industrie sind sie schon jetzt einsetzbar, nicht aber als Implantate.

Wie profitiert denn die Industrie davon?
Beispielsweise die Autoindustrie: Auf dem Weg zum künstlichen Muskel für den Menschen haben wir Pneumatik-Ventile für Autos entwickelt.

Arbeitet die Empa also auf Auftrag? Eine Firma wünscht ein neues Produkt und Sie beginnen dann zu forschen?
Das kommt in Einzelfällen vor. Aber meistens forschen und entwickeln wir im Rahmen unserer fünf Forschungsschwerpunkte, alleine oder mit Forschungspartnern. Und dann kontaktieren uns eben interessierte Firmen – oder wir sie.

Findet also jede Empa-Entwicklung einen Abnehmer?
Nein, nicht immer. Falls wir keinen Abnehmer aus der Privatwirtschaft finden, haben wir die Möglichkeit, Spin-off-Firmen zu gründen, um das Produkt auf den Markt zu bringen.

Ihr Motto heisst „The place where innovation starts“ – der Ort, an dem Innovation beginnt. Ein hoher Anspruch an sich selbst!
Klar, aber das muss er auch sein. Deshalb arbeiten bei uns rund tausend MitarbeiterInnen aus 55 Ländern. Die Schweiz ist ein Land, in dem an der Zukunft gearbeitet wird. Und wir bieten eine Plattform, um Unternehmen aus der Privatwirtschaft im Innovationsprozess zu unterstützen.

Woran wird denn noch getüftelt an der Empa?
Zurzeit arbeiten wir etwa an neuen Konzepten für die Mobilität inklusive einem neuen Katalysator-Konzept, das trotz reduziertem Platingehalt eine verbesserte Performance aufweist. Ausserdem ist es uns mit Partnern aus der Industrie gelungen, ein einzigartiges Kompaktkehrfahrzeug auf Wasserstoffbasis für den professionellen Arbeitseinsatz zu entwickeln. Und auch in der Analyse und Detektion von Luftschadstoffen machen wir grosse Fortschritte. Und ganz grundsätzlich sind wir stets auf der Suche nach Ersatzmaterialien für die immer knapper werdenden Rohstoffe auf der Erde.