Herr Wörwag, an Ihrer Hochschule entsteht ein Forschungsleuchtturm „Innovations- und Komplexitätsmanagement“. Was haben diese Gebiete gemein?
Wir erleben momentan eindrücklich, was die Schuldenkrise Europas mit dem Franken macht und so der Exportindustrie erheblich schadet. Gleichzeitig haben wir noch die Fukushima-Bilder vor uns – innert Wochen wurde unsere Perspektive auf die Umwelt verändert. Zudem sehen wir, wie Wirtschaftsmächte vor dem Staatsbankrott stehen. Was gestern galt, gilt heute nicht mehr; was morgen gelten soll, ist Gegenstand komplexer Wirkungszusammenhänge. Es ist spürbar Zeit für Veränderungen in einer schwer vorhersehbaren Welt. Einfach gesagt: Wir brauchen Innovationen, aber die Ausgangslage ist eben nicht einfach, sondern komplex.

Alle reden von Innovation …
In der Tat. Man hat den Eindruck, innovativ zu sein, wirke selbstimmunisierend: Jeder scheint es zu sein – viele aber eben nur scheinbar. Dabei gehen die meisten von zwei Grundannahmen aus: Erstens entstehen Innovationen, wenn man nur lange genug darüber nachdenkt und, zweitens, Innovationen sollen sichere Erfolge einfahren. Dazu zwei schlechte und eine gute Nachricht: Innovationen sind Neuheiten. Es kann nicht aus der Vergangenheit gedacht werden, auch wenn man es noch so lange tut. Zudem sind Innovationen riskant – wobei Risiko ohnehin eine Konstante im unternehmerischen Alltag ist. Die gute Nachricht: Innovationen lassen sich als produktive Zu- und Einfälle fördern, und es gibt Methoden, das Risiko zu reduzieren und bessere Entscheidungen zu ­treffen.