«Hochdynamische Damen und Herren»...

...spricht Regula Buob begeistert über die jungen Menschen in der Schweiz, die heute Unternehmen gründen. «Sie haben keine Angst, neue Wege zu gehen – auch nicht, wenn andere zu ihren Ideen sagen: Vergiss es, das funktioniert nicht.»

Die Geschäftsführerin der W. A. de Vigier Stiftung begleitet und coacht seit drei Jahren Jungunternehmer, die sich für eine finanzielle Unterstützung ihres Start-ups bei der Stiftung bewerben.

220 Projekte wurden für den diesjährigen Förderpreis eingereicht. Im Februar wählte die Jury der Stiftung ihre 16 Favoriten aus. Darauf durchliefen diese ein Assessment und präsentierten ihre Ideen vor dem Stiftungsrat. «In erster Linie schauen wir ihre Produkte an, ob sie gut und innovativ und gesellschaftsrelevant sind», erklärt Buob.

Aber dann würde auch die Persönlichkeit jedes einzelnen Jungunternehmers genau betrachtet. «Ob die Frau oder der Mann eine Gruppe anleiten, andere Menschen überzeugen kann und leidenschaftlich an die Idee glaubt.» Um ein Projekt voranzubringen und Kunden zu finden, sei dies genauso wichtig wie die Idee selbst.

«Wir fördern Start-ups unter anderem im Bereich Life Science», sagt Buob und fügt an, dass dies ein breites und nicht einfach zu definierendes Feld sei. Life Science – auf Deutsch Lebenswissenschaften – beschäftige sich mit Wissenschaft, dem Menschen und auch mit Schnittstellen zur Technologie.

Es seien mehrheitlich Projekte aus den Gebieten Biotech, Medtech und Pharma. Die Stiftung ist offen für alle Bereiche. «Viele Startupper/innen kommen aus den Universitäten. In einer Studie oder bei einer Forschungsarbeit sind sie auf ein Problem gestossen und haben eine Lösung gefunden.»

Buob gibt ein konkretes Beispiel, ein Projekt, das dieses Jahr bei der Stiftung eingereicht wurde: «Sie haben eine Blutvergiftung, die dringend behandelt werden muss.

Wie können die Giftstoffe aus dem Blut entfernt werden?» Das Start-up hemotune AG aus Zürich habe dafür magnetische Nanoteilchen entwickelt, die sich an die Giftstoffe binden und sich nachfolgend magnetisch abtrennen lassen. «Die erste Anwendung wird zur Entfernung von Endotoxinen bei akuter Blutvergiftung entwickelt.»

Von den 16 Favoriten...

...nominierte die W. A. de Vigier Stiftung diesen Frühling schliesslich 10 Projekte für die Preisverleihung 2018 – Projekte aus den Gebieten Life Sciences sowie Information and Communication Technology. Dazu zählen künstlich intelligente Hörgeräte, die über eine App gesteuert werden können, tragbare Muskeln für Menschen mit Bewegungseinschränkungen und unübertroffen langlebige, flexible Kabel.

Es sind Produkte, die von Branchenexperten auf ihre technische und finanzielle Realisierbarkeit sowie gute Marktchancen geprüft und als vielversprechend eingestuft wurden.

Buob ist erfreut, dass der Anteil an Frauen zunimmt, die auch im Bereich Life Science Ideen entwickeln und diese bei der Stiftung vorstellen. Dieses Jahr stammte ein Fünftel der eingereichten Projekte von Frauen. «Man merkt gut, dass eine neue Generation von Frauen herangewachsen ist.» Sie seien mutig, innovativ und hätten einen extremen «Drive». Zwei Frauen rangieren unter den Top 10.

Die Stiftung schreibt jährlich die älteste und höchstdotierte Auszeichnung für Jungunternehmer in der Schweiz aus. Von den zehn Finalisten erhalten je fünf Start-ups den 100000-Franken-Förderpreis (Finalisten 2018 siehe Infoboxen). In den bald 30 Jahren hat die Stiftung insgesamt 11 Millionen Franken Startkapital verteilt. Daraus resultierten bis heute zahlreiche erfolgreiche Start-ups, mehrere Börsengänge, einträgliche Firmenverkäufe und vor allem viele Arbeitsplätze.

Können sich Schweizer Jungunternehmer gegen die internationale Konkurrenz behaupten? «Oh ja, absolut, sie halten weltweit mit», so Buob. Wenn man den Innovationsindex anschaue, sehe man, dass die Schweiz immer unter den Top Ten aufgelistet sei. «Das wissenschaftliche Handwerk wird in der Schweiz gut erlernt.

Die jungen Fachleute wissen, wie man etwas sauber herauskristallisiert und entwickelt.» An den Universitäten würden die Wissenschaftler zudem animiert, Unternehmer oder Unternehmerin zu werden. «Aber ja, die Privatwirtschaft dürfte ein bisschen mutiger sein – und mehr in innovative Projekte von jungen Schweizerinnen und Schweizern investieren.»

Was empfiehlt Buob jungen Menschen mit Unternehmergeist? «Wenn sie etwas entdecken, das einen gesellschaftlichen Nutzen hat, dass sie einsteigen, etwas wagen und sich zum Unternehmer wandeln.» In der Schweiz brauche man beides: Leute an den Universitäten, die die Unternehmer verstehen, und Unternehmer, die etwas von der Wissenschaft verstehen. «Die jungen Leute von heute sind unsere Problemlöser der Zukunft.»

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