In den letzten Jahren wuchs die Bevölkerung in der Schweiz stark an und der Trend scheint sich fortzusetzen, Initiativen hin oder her. In 30 Jahren sollen wir die Zehn-Millionen-Marke bereits überschritten haben, schätzt das Bundesamt für Statistik. Das stellt uns vor massive Herausforderungen: wie wir bauen, was wir bauen und wie wir darin leben und arbeiten wollen.

Raumplanung und Architektur

Die erste grosse Herausforderung: die Zersiedelung. Die geografischen Grenzen der Schweiz dürften auch in 30 Jahren noch dieselben sein, also ist der Platz schlicht beschränkt. Doch eigentlich hat es noch mehr als genug davon.

Zehn Millionen Menschen hätten hier also leicht Platz.

Zum Vergleich: Im Grossraum London, dessen Fläche in den Kanton Zürich passt, leben heute gleich viele Menschen wie in der ganzen Schweiz. Zehn Millionen Menschen hätten hier also leicht Platz. Die Frage ist bloss, wie dicht die Menschen nebeneinander leben wollen.

Dabei muss Dichte nicht per se schlecht sein. Eine clevere, vernetzt durchdachte Architektur und Raumplanung kann viel zu einer Dichte beitragen, die nicht negativ spürbar ist. Gerade in einer Stadt schaffen Höhe und Verdichtung viel Lebensqualität, urbane Qualität. Eine Stadt ohne urbanen Charakter ist keine Stadt.

Leben, arbeiten und pendeln

Zersiedelung hat auch mit einem veränderten Lebensstil, mit höheren Ansprüchen an Wohnraum und Mobilität zu tun. Ein immer geräumigeres Zuhause, ein separater Arbeitsplatz, ein eigenes Auto und eine gute Bahnverbindung; diese Infrastrukturen brauchen Platz. Wir sollten also neue Lebens- und Arbeitsformen finden.

Home Offices beispielsweise oder auch Desk-Sharing-Konzepte in Büros. Solche Entwicklungen finden bereits seit einiger Zeit statt und funktionieren gut. Ein Beispiel: Am Schweizer Hauptsitz eines internationalen IT-Grosskonzerns in Zürich gibt es für 2000 Mitarbeitende nur 1200 Arbeitsplätze.

«Sie kamen sich noch nie in die Quere», sagt Nicole Piot, Key-Account-Managerin für das Unternehmen bei Bilfinger HSG Facility Management.

Energie und Bauen

Bleibt die Frage nach dem Energieverbrauch von zehn Millionen Menschen. Mit der Energiestrategie 2050 soll der Verbrauch deutlich reduziert werden – bei wachsender Bevölkerungszahl. Hier stehen besonders die Gebäude im Vordergrund. Fast die Hälfte der verbrauchten Endenergie geht auf ihr Konto.

Zwar brauchen moderne Neubauten heute nur noch einen Bruchteil der Energie für Heizung und Warmwasser, doch die meisten Gebäude in der Schweiz sind Bestandsbauten.

Bis sie alle ersetzt oder saniert wurden, vergehen keine 30, sondern eher hundert Jahre. In dieser Zeit werden sie weiter genutzt. «Wir brauchen deshalb in der Baubranche übergreifende, gemeinsame Konzepte, von der Planung über den Bau bis hin zum Betrieb eines Gebäudes», sagt Jürgen Hofmaier, Vize-Präsident des Schweizerischen Verbands für Facility Management und Maintenance fmpro.

Die Gemeinsamkeiten dieser verschiedenen Aspekte: Wir müssen übergreifend und vernetzt denken, um eine Zehn-Millionen Schweiz zu gestalten, die sogar noch mehr Lebensqualität bieten kann als heute.