Warum braucht die Schweiz einen Innovationspark?
Die Schweizer Universitäten, Fachhochschulen und der ETH-Bereich mit EMPA und PSI geniessen einen hervorragenden Ruf als Forschungspartner der Industrie. Viele Unternehmen forschen und entwickeln gemeinsam mit den Schweizer Hochschulen. Unter ihnen sind auch zahlreiche Firmen aus dem Ausland. Mit einem Innovationspark sollen diese Forschungspartner dazu motiviert werden, ihre Forschungsabteilungen in die Schweiz zu verlagern und damit private Forschungsgelder anzuziehen. Es geht dabei insbesondere um grössere Forschungseinheiten, die gewonnen werden sollen. Dafür brauchen wir bestens erschlossene, entwicklungsfähige Flächen in unmittelbarer Nähe von Hochschulen, die langfristig für die Innovation reserviert sind.

Wie sieht der Zeitplan aus?
Der aktuelle Zeitplan sieht eine Verabschiedung des dringlichen Bundesbeschlusses in der Sommersession 2015 vor. Der Innovationspark, wie im Forschungs- und Innovationsförderungsgesetz (FIFG) definiert, kann demnach anfangs 2016 starten. Aber es ist natürlich nicht verboten, die Arbeiten voranzutreiben. Spass beiseite: Die Hub-Standorte im näheren Umfeld der ETH Zürich und der EPFL sind gesetzt. Sie müssen aber ihre «Hausaufgaben» noch erledigen. Das Auswahlverfahren für die Ermittlung von Netzwerkstandorten ist angestossen. Die Bewerbungen werden bis Mitte des kommenden Jahres zu bearbeiten sein. Sie sehen: Es gibt schon jetzt auf allen Ebenen viel zu tun.

Die Schweiz ist bereits Innovationsweltmeister. Was braucht es aus Ihrer Sicht, dass wir diesen Spitzenplatz halten können?
Die Schweiz ist Weltmeister in Erfindungen, nicht aber in der Weiterentwicklung dieser Erfindungen zu marktfähige Produkten. Hier setzt das Konzept Innovationspark an. Es verbindet beste Rahmenbedingungen für die industrielle Forschung mit hoher Aufnahmebereitschaft für ansiedlungswillige Unternehmen mit speziellem Forschungsfokus. Es katapultiert die Schweiz bei der Standortevaluation forschungsintensiver, international tätiger Firmen auf die Shortlist.

Welchen Nutzen hat die Wirtschaft von einem Innovationspark?
Das Konzept ist ein langfristig angelegtes Modell für die erfolgreiche Entwicklung der Schweiz als wissensbasierte, global konkurrenzfähige Volkswirtschaft. Die Regionen gewinnen an Attraktivität für Forschungsinvestitionen. Dies schafft direkt und indirekt hochqualitative Arbeitsplätze nicht zuletzt auch in kleineren und mittleren Unternehmungen (KMU). Private internationale Forschung in die Schweiz zu bringen ist zudem in unserem eigenen Interesse. Diese Personen bleiben in der Schweiz, wenn sie eine Firma gründen, oder lassen sich für den Schweizer Arbeitsmarkt gewinnen.

Auch an den Hochschulen wird geforscht. Warum das nochmals alles in einem Innovationspark?
Eine Hochschule lehrt und forscht zum grössten Teil mit öffentlichen Geldern. Im Rahmen des Innovationsparks wird mit privaten Geldern geforscht – das stärkt die gesamte Forschungslandschaft Schweiz und der Bezug zum Markt wird enger. Dadurch kann man pro Forschungsfranken der öffentlichen Hand einen höheren volkswirtschaftlichen Nutzen generieren. Ein gutes Beispiel für eine solche Kooperation zwischen Hochschule und Industrie ist das IBM Reserach Center in Rüschlikon, in dem IBM und die ETH gemeinsam forschen.

«Das Konzept ist ein langfristig angelegtes Modell für die erfolgreiche Entwicklung der Schweiz als wissensbasierte, global konkurrenzfähige Volkswirtschaft.»

Wie kann das Zusammenspiel zwischen Arbeitswelt und Forschung verbessert werden?
Viele gute Ideen verkümmern, wenn sie nicht in einem anregenden Umfeld erprobt, hinterfragt, weiterentwickelt werden, und zwar nicht «nine-to-five», sondern in einem ständigen Prozess. Der Innovationspark schafft eine Art «Biotop» für die Entwicklung von Ideen zu Produkten, die auf dem Markt erfolgreich sind. Man kennt solche «Biotope» vor allem im angelsächsischen Raum. Ein sogenannter «Campus» bietet beste Rahmenbedingungen für Wohnen, Arbeiten, Forschung, Freizeit und Erholung.

Wie sieht die Finanzierung des Innovationsparks aus?
Im Vordergrund steht nach wie vor die Idee, dass vom Bund spezielle für die Innovation reservierte Flächen zur Verfügung gestellt werden. Die konkrete Umsetzung wird aktuell mit den betroffenen Kantonen diskutiert, da diese entsprechende Vorleistungen erbringen müssen.

Welche zentralen Forderungen stellen Sie an einen Innovationspark?
Der nationale Innovationspark hat eine dezentrale Struktur. Die Konferenz der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren, die im Auftrag des Departements für Wissenschaft, Bildung und Forschung (WBF) die Umsetzung des FIFG konzipiert, hat im Sommer 2013 entschieden, dass der nationale Innovationspark auf zwei Hub-Standorten in der Nähe der beiden eidgenössischen Hochschulen EPFL und ETH Zürich basieren soll. Diese Hubs werden durch verschiedene Netzwerkstandorte im Umfeld von Hochschulen zu einem gesamtschweizerischen Netz ergänzt. Zentral sind der «Brain» der Hochschulen, der Entwicklungsdrang der Unternehmen und entwicklungsfähige Areale an zentralen Standorten sowie eine nationale Organisation, welche die Qualität und die internationale Promotion sicher stellt. Dieser Mix wird das Generationenprojekt «Innovationspark Schweiz» voranbringen.

Ist Innovationspolitik nicht Industriepolitik?
Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Industriepolitik, also die gezielte staatliche Förderung der Industrie, ist Innovationspolitik in der Stossrichtung offen. Sie organisiert nur die Rahmenbedingungen, damit Wissenschaft und Unternehmen in der Schweiz unter besten Voraussetzungen aufeinandertreffen können. Alles andere bleibt den Marktkräften und dem Innovationspotenzial unserer Hochschulen überlassen.