Das Bundeshaus gehört zu den Wirkungsstätten des Schweizerischen KMU-Verbandes. Er ist eine Lobby-Organisation, die bei allen Parlamentssessionen zugegen ist, erklärt Roland M. Rupp, ihr Vizepräsident und Leiter der Geschäftsstelle: «Vor allem im Vorfeld der verschiedenen, für uns wichtigen Geschäfte suchen wir einflussreiche Unterstützer.

Im Gegensatz zu anderen Verbänden ist es unser Ziel, unsere Meinung bereits einzubringen, bevor eine Vorlage zur Debatte und Abstimmung gelangt.» Politisch sei der KMU-Verband neutral, sagt Rupp: «Uns interessieren nur die für die KMU relevanten parlamentarischen Geschäfte. In der Wandelhalle des Parlaments treffen wir die wichtigen und richtigen Leute.»

Swissness ist ein wichtiges Thema für die KMU. «Made in Switzerland» oder «Swiss made» sind für die kleinen und mittleren Unternehmen der Schweiz extrem bedeutsam, nicht nur für die Gros­sen», betont Rupp: «Das Label ‹made in Switzerland› begründet unseren guten Ruf im Ausland. Es kann gar nicht hoch genug bewertet werden.» Das Schweizer Qualitätsprädikat verkörpere alle Stärken der Schweiz – Pünktlichkeit, politische Stabilität, Rechtssicherheit.

«Die Schweizer Herkunft ist ein Signal», so Rupp. «Wir vergessen in der Schweiz manchmal, welche Botschaft wir damit aussenden. Unsere Glaubwürdigkeit kann uns kein anderes Land wegnehmen. Sie ist unser Qualitätssiegel, ein Pluspunkt und Verkaufsargument.» Rupp stellt diese Hochachtung immer wieder selber fest, wenn er in EU-Staaten unterwegs ist.

In vielen Ländern gilt «Made in Switzerland» als wichtiger Qualitätsausweis. Auch wenn man sich zu Beginn der Gespräche seit einigen Jahren zuerst ein paar Sprüche über die Banken anhören müsse: Insgesamt, sagt Rupp, geniessen Schweizer Produkte auch im Ausland noch immer hohes Ansehen.

Schweizer Label

«Unser unschätzbares Schweizer Label erträgt keine Verwässerung», warnt Rupp. 2012 seien Richtlinien über die Swissness erlassen worden, die nun ­eingehalten werden müsten. «Wenn Schweiz daraufsteht, wenn Schweiz drauf steht, sind nur Produkte vertretbar in denen Schweiz drin ist.» «99,7 Prozent aller Firmen sind KMU,» erklärt Roland Rupp.

Sie bieten 80 Prozent der Arbeits- und 60 Prozent der Ausbildungsplätze an, aber erzielen nur 40 Prozent des Umsatzes. «Das bedeutet», so Rupp, «dass 0,3 Prozent der Unternehmen 60 Prozent des Umsatzes machen. Sozialwirtschaftlich sind wir samt unseren Zuliefern ein zahlenmässig starker Verband, aber man schaut trotzdem nur auf die ganz Grossen.»

Allerdings seien doch noch zu wenige einschlägige Betriebe Mitglieder im KMU-Verband, obwohl der Jahresbeitrag nur 100 Franken kostet. Dafür gibt es zahlreiche Dienstleistungen und viele verbilligte Einkaufsmöglichkeiten bei rund 40 Firmen. In Deutschland sei die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer obligatorisch, in der Schweiz nicht.

Internationaler Fokus

In der Schweiz, erklärt Rupp, seien nur 10 Prozent der Firmen international tätig: «Das sind immerhin beinahe 37 000 Unternehmen, die exportieren.» Für sie ist die Swissness entscheidend. Die Anzahl der KMU ist seit Jahren genau gleich hoch. 2012 wurden 39 835 Firmen in der Schweiz neu gegründet, «das sind jeden Tag 150 Betriebe». Und das seien nur die satistisch erfassten, denn niemand müsse eine Firmengründung bekannt geben. Ihnen allen wird vom Verband eine Mitgliedschaft angetragen.

Diesen zahlreichen Gründungen stehen nur 4000 Konkurse pro Jahr gegenüber. Dazu kommen jene, die einfach aufhören, liquidieren, verkaufen, fusionieren. Roland Rupp findet es erfreulich, dass die KMU-Landschaft wächst und so viele Leute den Mut aufbringen, sich selbständig zu machen. Ebenso erfreulich sei es, dass viele ausländische KMU Mitglieder in seinem Verband sind: «Die Schweiz gehört dank der Swissness zu den wichtisten Handelspartnern für Italien und Deutschland, und die Kunden werden Mitglieder im Verband, entweder weil sie sich demnächst in der Schweiz niederlassen wollen oder einfach damit sie sehen, was bei uns so läuft.»