Sandra Spieser
Projektleiterin im Bereich Wettbewerb und Regulatorisches bei economiesuisse

Seit Jahrzehnten machen Qualität, Präzision und Exklusivität den Ruf von Schweizer Produkten aus. Die Schweiz sei eines der innovativsten Länder und solle dies auch bleiben, betont Sandra Spieser von economiesuisse. «Die Swissness-Vorlage kann hier einen Beitrag leisten, indem sie die Marke Schweiz besser vor Missbrauch im In- und Ausland schützt.» Dank der neuen geografischen Marke und dem verbesserten Klagerecht könne gegen «Trittbrettfahrer» wie Fälscher und Kopierer besser vorgegangen werden. «Das ist wichtig, damit Unternehmen für hochwertige Produkte ‹Made in Switzerland› auch in Zukunft etwas höhere Preise verlangen können.» Dann lohne es sich auch, Entwicklungen in der Schweiz voranzutreiben und im eigenen Land zu investieren. Die Vorlage sollte gemäss Spieser zwar auch den einzelnen Branchen, aber vor allem dem Standort Schweiz insgesamt nützen. Keinesfalls dürfe sie zur Absatzsicherung einzelner Wirtschaftszweige wie beispielsweise der Landwirtschaft «missbraucht» werden, warnt sie.

Die Marke «Schweiz» ist top
In einer wissensbasierten Wirtschaft wie der Schweiz seien Forschung und Entwicklung zentral, so Spieser. Anders gesagt: Das «Savoir-faire» ist oft wichtiger als der Ursprungsort der verwendeten Rohstoffe. Die Swissness-Vorlage sieht vor, dass die Kosten für Forschung und Entwicklung, die in der Schweiz anfallen, bei der Berechnung des «Schweizer Anteils» berücksichtigt werden dürfen. Das schafft Anreize für Unternehmen, weiterhin in Forschung und Entwicklung in der Schweiz zu investieren und kann einer Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland entgegenwirken. Die Marke «Schweiz» geniesst bei Konsumentinnen und ­Konsumenten weltweit anerkanntermassen einen sehr guten Ruf. Sie steht für Innovation, Exklusivität, Tradition, Qualität und Zuverlässigkeit. Für Produkte und Dienstleistungen, die mit dem Attribut «Schweiz» verkauft beziehungsweise angeboten werden, ist der Kunde in aller Regel bereit, etwas mehr zu bezahlen. Über die Höhe des Mehrpreises entscheidet primär der Markt. Die Preisdifferenz hängt unter anderem auch davon ab, ob ein Produkt den Erwartungen der Konsumenten entspricht.

Legal gekennzeichnet
«Unternehmen, die Produkte als schweizerisch verkaufen können, geniessen einen Wettbewerbsvorteil und können von einem wirtschaftlichen Mehrwert profitieren», betont Sandra Spieser. Deshalb gebe es auch viele «Trittbrettfahrer», die sich gerne «ungerechtfertigt ein Stück von diesem Kuchen abschneiden möchten». Gleichzeitig garantieren qualitativ hochstehende, verlässliche und innovative Schweizer Produkte ein positives Bild der Schweiz weltweit. Die Bekämpfung des Missbrauchs der Marke «Schweiz» sei deshalb eine der Stärken der Vorlage, so Spieser. Einen weiteren Vorteil sieht sie darin, dass in Zukunft auch Produkte legal mit dem Schweizerkreuz gekennzeichnet werden ­dürfen, was bis anhin nur bei ­Dienstleistungen erlaubt ist. Diese Ungleichbehandlung würde aufgehoben. «Darin liegt eine weitere Stärke des Projekts.» Die Swissness-Vorlage habe Konsequenzen für den Schweizer Arbeitsmarkt, sagt Sandra Spieser. In der Uhrenindustrie etwa bestünden konkrete Pläne für eine Rückverlagerung der Produktion in die Schweiz, sofern ein Schwellenwert von mindestens 60 Prozent gesetzlich verankert wird. Grundsätzlich, so Spieser, müsse sich der Swissness-Mehrwert für Unternehmen aber rechnen. Mit anderen Worten: Wenn die Produktion in der Schweiz für Unternehmen ökonomisch sinnvoll ist, hat dies positive Effekte auf den Arbeitsmarkt.

Praxistaugliche Lösungen
Dass die noch nicht bereinigte Vorlage in den Eidgenössischen Räten nach wie vor umstritten ist, führt Sandra Spieser darauf zurück, dass die Bedürfnisse und Interessen von Branche zu Branche – manchmal sogar von Unternehmen zu Unternehmen – unterschiedlich sind. Das liege in der Natur der Sache. «Deshalb haben wir uns immer dafür ausgesprochen, dass es flexible, auf die Branchen zugeschnittene Lösungen braucht.» Bei den Industriegütern setzt sich economiesuisse deshalb für einen Kompromissvorschlag ein, der für Uhren wegen den besonderen Verhältnissen mit 60 Prozent einen höheren Schwellenwert vorsieht. Im Übrigen, so Spieser, wäre es effizienter, Details in einer Branchenverordnung zu regelns als im Gesetz selbst. Auch bei den Lebensmitteln brauche es Lösungen, die auf die Produzenten abgestimmt und praxistauglich sind und nicht solche, «die den Unternehmen den Alltag durch zu starre Vorschriften erschweren». Dann hätten alle Akteure gewonnen: Die Konsumentinnen und Konsumenten, die Unternehmen und die Schweizer Volkswirtschaft insgesamt.