Eines der Siegerprojekte heisst Dolfinos. Dabei handelt es sich um eine neuartige Stütze für Geigenspieler. Das vom früheren Professor für Heilpädagogik an der FHS in St. Gallen und Musiktherapeuten Michael Y. Wiener und seinem Team entwickelte Produkt macht das Geigenspielern bequemer und soll die häufig auftretenden Probleme wie Haut- und Halswirbelleiden verhindern helfen. MEDIAPLANET hat Michael Wiener getroffen.

Was braucht es, um eine Innovation erfolgreich auf den Markt zu bringen?
Ein Team von kompetenten, begeisterten und verlässlichen Fachleuten.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine solche Stütze zu entwickeln?
Das Schlüsselerlebnis hatte ich anlässlich eines Violine-Meisterkurses. Ich traf da auf eine junge Violinistin, die wegen der ungeeigneten Stützvorrichtung der Geige schon zwei Operationen hinter sich hatte – und das mit noch nicht mal 20 Jahren. Sie wollte deshalb ihre Musikkarriere beenden. Das fand ich sehr schade, denn die junge Frau hat wirklich viel Talent und auch sehr, sehr viel Zeit ins Geigenspielen investiert. Also wollte ich ihr helfen und begann, in dieser Sache zu forschen.

Wo liegt das Problem mit herkömmlichen Stützen?
Diese sind vergleichbar mit einem Melkstuhl: Hart, unbequem, nicht höhen verstellbar und instabil. Die Schulterstütze drückt auf den Nerv im Schultergelenk, es kommt zu Wirbelsäulenproblemen, Verspannungen, Schmerzen, aber auch die Haut leidet. Und oft werden die Beschwerden chronisch. Über 70 Prozent der Geigen- und Violaspieler brauchen einen Arzt. Manche müssen ihren Beruf aufgeben, die Gesundheitsprobleme können sogar bis zur Invalidität führen. Die Verbindung Mensch-Instrument ist ganz offensichtlich nicht optimal gelöst.

Aber das Problem gibt es ja schon länger.
Stimmt. Seit 200 Jahren wird versucht, eine bessere Lösung zu finden. Zahnärzte, Dermatologen, Geigenbauer, Violinprofessoren und andere mehr haben daran herumgetüftelt – vergebens. Dies deshalb, weil die Aufgabe nicht von einer Fachrichtung im Alleingang gelöst werden kann; vielmehr muss die Sache interdisziplinär angepackt werden. Designer, Musiker, Mediziner, Geigenbauer, Physiker – sie alle müssen zusammenspannen. Ich bin überzeugt davon, dass das der Schlüssel für die ganz grossen Innovationen ist: Eine gute Zusammenarbeit von Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen.

Ihnen ist mit Dolfinos gelungen, die Verbindung zwischen Geige und Mensch zu optimieren. Wie haben Sie das geschafft?
Ich hatte bei der Begegnung mit der jungen Musikerin gleich eine Idee, wie eine viel ergonomischere Geigenstütze aussehen müsste. Bis zum Prototyp war es aber ein langer Weg. Umso mehr, als ich unbedingt ein nachhaltiges, wirklich perfektes Produkt machen will, denn diese Kundengruppe verdient einfach das Beste. Der Innovationsvorsprung ist hier sehr wichtig, auch wenn ein Patentschutz vorhanden ist. Als Startup ist nämlich die Durchsetzung von verletzten Patentrechten faktisch unbezahlbar.

Woher kommt der Name Dolfinos?
Das Modell erinnert an zwei Delfine, die aus dem Wasser springen. Kommt dazu, dass der Delfin als intelligentes, musikalisches und empfindsames Tier gilt. Er hat also viele Eigenschaften, die meine Innovation auch haben muss. Als Markenname passt Dolfinos deshalb sehr gut. Wann wird Dolfinos auf dem Markt sein und was wird es kosten?
Die erste Vorserie wird voraussichtlich im Herbst 2014 herauskommen. Anfangs 2015 kann man dann weltweit online bestellen. Wir planen drei Modelllinien: Für Kinder kostet eine  Komplettlösung für Kinn und Schulter etwa CHF 90, für Erwachsene CHF 160 bis 250 Franken. Elitemodelle sind massgeschneidert und kosten dann natürlich mehr.

Welches ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Unsere Innovationskraft beruht auf der Interdisziplinarität, Begeisterungsfähigkeit, Kompetenz und Kooperationsfähigkeit des Teams. Um mit diesem Produkt aber auch Erfolge am Markt erzielen zu können ist es für uns genauso wichtig, neben einem cleveren Marketing, ein innovatives und passgenaues Management für das Startup zu entwickeln.