Innovation ist eines der verbreitetsten Schlagworte unserer Zeit, das in unterschiedlichstem Sinne verwendet wird. Weit verbreitet ist das Verständnis, wonach sich Innovationen in der erfolgreichen Einführung von marktfähigen Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen zeigen. Innovationen setzen die sogenannte Wertschöpfungskette voraus. Diese umfasst die Grundlagenforschung, die angewandte Forschung, die Entwicklung von Prototypen und Demonstrationsanlagen, die Marktzulassung und -einführung und «last but not least die Marktdiffusion.»

«Das wahre Geheimnis des Weltmeisters Schweiz ist das fehlen einer gezielten Innovations- oder Industriepolitik im eigentlichen Sinne.»

Dabei zeigt sich deutlich: Innovationen entstehen im Privatsektor, sie gehen nicht (oder jedenfalls nur selten) vom Staat aus. Und darum kann es auch nicht Aufgabe des Staates sein, der Wirtschaft vorzuschreiben, wo Innovation benötigt wird, oder vorauszusagen, wo Innovation möglich ist. Tatsächlich verfolgt der Bund keine Innovations- oder Industriepolitik im eigentlichen Sinne – das ist wohl das wahre Erfolgsgeheimnis des Weltmeisters Schweiz. Aber er versucht, geeignete Rahmenbedingungen für die Innovationsakteure zu setzen, damit diese aus eigener Initiative innovativ sein können. Diese Verantwortung nimmt der Bund durchaus wahr und das spielt dabei eine gewichtigere Rolle als jene des blossen Nachtwächters. Er bietet erstens als Gesetzgeber einen schlanken Rahmen, innerhalb dessen eine weitgehend autonome Wissenschaft und Forschung und eine unternehmerisch eigenverantwortliche Wirtschaft ihre jeweiligen Kräfte nach bestem Vermögen entwickeln können. Zweitens stellt der Bund als öffentlicher Hauptförderer der Forschung ein Instrumentarium zur Verfügung, das, anders als in anderen Ländern, sehr einfach ist und schlicht in seiner Aufstellung und Ausgestaltung.

Internationale Zusammenarbeit
Eine einzige Institution, der Schweizerische Nationalfonds, genügt zur Förderung der dem reinen Erkenntnisgewinn dienenden Grundlagenforschung an den Hochschulen und für die Umsetzung der entscheidenden Aufgabe der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses – für eine wettbewerbsfähige Schweizer Forschung auch morgen und übermorgen. Ebenfalls eine einzige Institution, die Kommission für Technologie und Innovation KTI, genügt als Bindeglied zwischen den Hochschulen mit ihrem Wissen und der Industrie mit ihrer Fähigkeit, Wissen in marktfähige Innovationen umzusetzen. Ein dritter und letzter Punkt betrifft die Globalisierung von Wissenschaft und Innovation. Natürlich liegt es grundsätzlich an den autonomen Hochschulen und Forschungsinstitutionen, die ihnen dienliche internationale Ausrichtung zu definieren und zu verfolgen. Doch dort, wo der Bund im Interesse der Schweizer Player internationale Türen öffnen soll, tut er das ihm Mögliche. Konnten in jüngster Zeit bilaterale Forschungsabkommen mit in Wissenschaft und Technologie aufstrebenden Nationen wie Brasilien, China, Indien oder Südafrika abgeschlossen werden, so ist und bleibt das mit Abstand stärkste Instrument zur internationalen Zusammenarbeit doch eines mit kontinentaler Ausrichtung.

Tatsächlich gehört die Vollbeteiligung an «Horizon 2020», dem Nachfolger des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms, das Ende 2013 ausläuft, zu den wichtigsten aktuellen Herausforderungen. Es geht um das Recht für Schweizer Forschende aus öffentlichen Institutionen ebenso wie aus privaten Unternehmen, mit den jeweils besten europäischen Partnern zu Themen zusammenzuarbeiten, die zukunftsträchtiger nicht sein könnten: Informationstechnologien, Nanowissenschaften, Gesundheit, Biotechnologie, Energie, Klimawandel. Hier muss die Schweiz dabei sein und ihre Kompetenzen einbringen können, um innovativ zu bleiben.