Wir leben heute immer länger und sind länger gesund. Gleichzeitig ist die demografische Entwicklung eines der drängendsten Themen unserer Zeit.

Welchen Beitrag leistet die Pharmaindustrie an unsere Gesundheit, insbesondere auch im Alter?

Neue Medikamente und Therapien tragen erheblich zu einer besseren Lebensqualität vieler Patientinnen und Patienten bei. So sterben heute viel weniger Leute an Herzversagen als früher und drei von fünf Krebspatienten sind fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben.

Rund die Hälfte aller Krebsleiden können heute geheilt werden. Dies gilt in erster Linie für Krebsarten, die früh erkannt werden. Auch künftig braucht es Forschung und Entwicklung vor allem bei jenen Krankheiten, für die wir noch keine Therapie haben.

Dies sind oft auch Krankheiten, die im Alter vermehrt auftreten wie Demenz, Diabetes oder gewisse Formen von Krebs.

Die Pharmaindustrie trägt nicht nur zum medizinischen Fortschritt bei, sie ist auch ein bedeutender Wirtschaftssektor für die Schweiz. Können Sie dazu Zahlen nennen?

Trotz schwierigen Konjunkturumfelds konnte die Schweizer Pharmaindustrie in den vergangenen Jahren weiter expandieren und trug im vergangenen Jahrzehnt massgeblich zum Wachstum der Schweizer Wirtschaft bei.

Die Schweizer Pharmaindustrie erwirtschaftete 2016 rund 28,9 Milliarden Franken und beschäftigte 45500 Personen. Mit einer Produktivität von 350 Franken pro Arbeitsstunde rangierte die Pharmaindustrie im Schweizer Branchenvergleich klar an erster Stelle. Pro Arbeitsplatz in der Pharmaindustrie wird rund viermal so viel Wertschöpfung erzielt wie im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Damit weist die Pharmaindustrie die höchste Produktivität aller Schweizer Wirtschaftszweige auf. Worauf ist dies zurückzuführen?

Die überdurchschnittlich hohe Produktivität der Pharmaindustrie ist auf die hohe Forschungsintensität und die hochspezialisierten Produktionsprozesse zurückzuführen.

Die Innovationsfähigkeit der Schweiz ist eine wesentliche Voraussetzung für eine prosperierende Pharma- und Life-Sciences-Industrie.

Was braucht es aus Ihrer Sicht, um diese Innovationskraft zu erhalten?

Es ist wichtig, dass die Schweiz zu den Rahmenbedingungen Sorge trägt, dazu gehören unter anderem die Rechtssicherheit, Exzellenz in der Forschung, der unbürokratische Zugang zu wichtigen Exportmärkten, die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte und die steuerliche Attraktivität.

Für die Pharmabranche, die über die Hälfte ihrer Produkte in andere europäische Länder exportiert, ist insbesondere der Erhalt der bilateralen Verträge mit der Europäischen Union zentral.

Die Pharmaindustrie ist international tätig, wie gross ist ihr Bekenntnis zur Schweiz?

Die Life-Sciences-Industrie stieg in den vergangenen Jahren in verschiedenen Regionen der Schweiz zu einer der wichtigsten Stützen und zum Impulsgeber der regionalen Wirtschaft auf.

Neben der Region Basel, dem Schweizer Pharma-Cluster schlechthin, mit 28500 Beschäftigten und dem grössten Anteil der schweizerischen Pharmawertschöpfung, hat die Life-Sciences-Branche auch in anderen Regionen der Schweiz an Bedeutung gewonnen. Mit einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate der realen Bruttowertschöpfung von 5,6 Prozent in den letzten zehn Jahren ist die Region Zürich-Zug-Luzern überdurchschnittlich gewachsen und die beiden Regionen Espace Mittelland und Bassin Lémanique haben sich zu einem international anerkannten Standort für Unternehmen der Life-Sciences-Branche entwickelt.

Das Bekenntnis globaler Pharmafirmen zum Standort Schweiz unterstreichen diverse Grossinvestitionen der letzten Jahre. Jüngstes Beispiel ist die Biotechfirma Biogen: Im solothurnischen Luterbach investiert Biogen 1,5 Milliarden Schweizer Franken in den Bau einer hochmodernen Produktionsanlage, von der aus ab 2019 eine Million Patienten mit Medikamenten versorgt werden.

Im Kanton Solothurn entstehen somit rund 600 neue Arbeitsplätze, davon 200 hauptsächlich in den Bereichen Gebäudeunterhalt, Reinigung und Gastronomie.

Info

 

Studie im Auftrag von Interpharma

Weitere Informationen zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Schweizer Pharmaindustrie finden Sie in der Publikation «Bedeutung der Pharmaindustrie für die Schweiz». Diese kann bei Interpharma gratis bezogen werden: www.interpharma.ch