«Unser Ziel ist die Erhaltung der Glaubwürdigkeit der Marke Schweiz bei Lebensmitteln», sagt Martin Rufer, der beim Schweizerischen Bauernverband u.a. das Departement Produktion, Märkte und Ökologie leitet. «Wir wissen, dass zahlreiche Konsumentinnen und Konsumenten bereit sind, etwas mehr für Schweizer Lebensmittel zu zahlen. Aber dafür erwarten sie auch, dass der hauptsächliche Anteil der Rohstoffe, die sich darin befinden, auch wirklich aus der Schweiz kommen.»

Laut Rufer gewährleistet die Swissness-Vorlage, dass nur ein minimaler Anteil von 20 Prozent der Rohstoffe aus Importen stammt: «Wenn «Schweiz» auf einem Nahrungsmittel steht, müssen grundsätzlich 80 Prozent des Inhalts schweizerisch sein. Wir vertraten immer diesen Grundsatz. Die Haltung des Bundesrates geniesst deshalb unsere Unterstützung.

Der Ständerat hat sie bestätigt, und nun steht die Vorlage im Nationalrat zur Debatte.» Anders als andere Verbände begrüsste der Schweizerische Bauernverband von Anfang an eine Regelung der «Swissness» und versucht seither, ihr zum Durchbruch zu verhelfen. Rufer: «Sie ist unsere einzige Chance, um unsere Produkte in den Märkten zu positionieren und echte Schweizer Lebensmittel zu schützen.» Andere Marken seien privatrechtlich geschützt, da sei es angezeigt, auch die Marke Schweiz zu schützen.

Verarbeitung

Es geht im Wesentlichen um verarbeitete Lebensmittel wie Joghurt oder Wurst, erklärt Rufer. Die Konsumenten dürften erwarten, dass 80 Prozent der landwirtschaftlichen Rohstoffe, wie etwa Milch oder Zucker, aus der Schweiz kommen. Es gehe nicht an, dass ein aus importierten Rohstoffen in der Schweiz verarbeitetes Produkt als Schweizer Lebensmittel verkauft werde.

Diese Praktiken wolle die Vorlage unterbinden, damit die Herkunft und die Marke Schweiz langfristig ihren Wert behalten. Bei primären Produkten wie Obst oder Gemüse sei ohnehin klar, dass sie in der Schweiz geerntet sein müssen, um als Schweizer Lebensmittel zu gelten. Was hier nicht wächst, würde eine Ausnahme-Regelung erhalten, wie etwa Kakao oder Bananen.

Politik

«Wir gehen davon aus, und das zeigen Erhebungen, dass viele Konsumierende bereit sind, 10 bis 20 Prozent mehr für Schweizer Lebensmittel zu zahlen», betont Martin Rufer. Importprodukte werde es immer geben, aber der Schweizerische Bauernverband will verhindern helfen, dass daraus Schweizer Lebensmittel gemacht werden.

«Deshalb müssen nun endlich klare Regeln geschaffen werden.» Der Bauernverband ist beteiligt an der Marke «Suisse Garantie», mit der in der Schweiz produzierte Lebensmittel auf den Markt kommen, bei denen die Herkunft kontrolliert und zertifiziert wird. Neuerdings machen bekannte Schweizer Küchenchefs am Fernsehen Werbung für Schweizer Lebensmittel mit dieser Marke.

Die Lobby-Arbeit sei für den Bauernverband und den Bauernstand enorm wichtig, sagt Rufer. Zahlreiche Parlamentarier sind selber Bauern und vertreten die Anliegen der Schweizer Landwirtschaft. Die neue Swissness-Regelung sei für die Schweizer Bauern so wichtig, dass sie bereits eine Strategie für den Fall einer Niederlage entwickelt haben.

Rufer: «Sollte das Parlament ein für uns ungenügendes Regelwerk beschliessen oder die Vorlage gar ablehnen, würden wir eine Volksinitiative mit dem Titel ‹Für eine glaubwürdige Swissness› lancieren. Das ist nicht unser Wunsch, aber wir würden notfalls diese demokratische Massnahme ergreifen. Die Konsumentinnen und Konsumenten würden sicher hinter uns stehen.»