Die Schweiz gilt als eines der ­innovativsten Länder der Welt. Worauf ­führen Sie dies zurück?
Wir leben in Freiheit, Sicherheit sowie Unabhängigkeit und haben ein ausgezeichnetes Bildungsniveau. Hinzu kommt, dass die Schweiz im dualen Bildungssystem, wo Wissen und Anwendung im Zentrum stehen, einen enormen Mehrwert gegenüber dem Ausland aufweist. Mit andern Worten: Wir wissen, wo der Schuh drückt, und dank der guten Bildung und der praktischen Fertigkeiten können wir auch vieles adäquat umsetzen. Gerade die Fachhochschulen sind für mich ein gutes und zukunftweisendes Beispiel. Hier führen praktische Fähigkeiten, gepaart mit einer hervorragenden Bildung, zu wichtigen und bedeutenden Innovationen, von denen wir alle nachhaltig profitieren.

Ist eine innovative Schweiz für Sie die Grundlage für einen ­nachhaltigen und anhaltenden wirtschaftlichen ­Erfolg?
Ja, absolut. Nur neue und innovative Produkte und Entwicklungen sind eine echte Verbesserung gegenüber bisherigen Standards. Ökologisch, ökonomisch und sozial entwickelt sich unsere Gesellschaft so oder so immer weiter – und das verbunden mit immer höheren Anforderungen. Innovationen sind dazu da, diese Herausforderungen auch in Zukunft meistern zu können.

Heisst das für Sie, dass die Schweiz in erster Linie von Innovationen lebt?
Ja, unbedingt. Gerade das Zusammenspiel von Hochschulen, Fachhochschulen sowie der Forschung mit der Privatwirtschaft, dem Bund und Wirtschaftsorganisationen machen einen Grossteil des breiten Erfolgs des Innovationsstandorts Schweiz aus. Innovationen haben eine gewaltige volkswirtschaftliche Bedeutung für die Schweiz. Gibt es irgendwo Probleme zu lösen, und zwar in sämtlichen Bereichen, dann sind Schweizer Forschende immer als erste gefragt, mit anzupacken. Sinnbildlich dafür ist auch, dass es vielfach unsere Forschungsteams sind, die gerade in Europa den Ton angeben, wenn es um Beteiligungen an internationalen Vorzeigeprojekten geht.

Welche Rolle spielt dabei der ­Forschungs- und Bildungsstandort Schweiz?
Eine ganz zentrale. Unser Standort ist unterdessen so gut etabliert, dass wir international darum beneidet werden. Vorsicht ist allerdings immer am Platz: Das Ausland schläft nämlich nicht. Und nichts ist so schnell weg wie der Vorsprung. Da muss man gar nichts dazu tun.

Als eine weitere Stärke gilt unser duales Ausbildungssystem. Sie haben es bereits erwähnt. Unsere Wirtschaft bildet ihren Nachwuchs selber aus, um die Qualität langfristig sichern zu können. Ist auch dies ein guter Boden für Innovationsfähigkeit?
Das duale Ausbildungssystem ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Schweiz. Das Zusammenspiel von Praxis und Wissen ist der Grund dafür, dass sich in der Schweiz nichts grundsätzlich an den gesellschaftlichen Problemen vorbeientwickelt. Forschung und Innovation müssen sich frei entfalten können. Dabei sollten sie die Bodenhaftung nicht verlieren. Genau dies ist in der Schweiz dank der dualen Ausbildung jederzeit gewährleistet.

Wo und in welchen Branchen sehen Sie hinsichtlich Innovation weitere Entwicklungspotenziale?
Es gibt viele Bereiche, die sich entwickeln werden. Dazu gehören etwa Medtech, die Landwirtschaft, Cleantech und IT, um nur einige zu nennen. Die Ausgangslage ist allerdings völlig verschieden. Bei Medtech, in der Maschinenindustrie oder der IT setzen wir bereits Massstäbe, die aber noch weiter optimiert werden können. In anderen Branchen, wie etwa der Landwirtschaft oder auch im Bereich von neuen Technologien wie Cleantech oder Nanotechnologie, sind wir im Bereich Forschung zwar sehr stark. Die Umsetzung in innovative Produkte wird allerdings erst verzögert erfolgen, oder sie wird sich erst später im grossen Stil entwickeln. In allen Bereichen sind im Übrigen nicht nur die grossen Unternehmungen bei der Umsetzung gefragt, sondern auch viele KMU-Betriebe, denen man aber Luft zum Atmen lassen muss.

Worauf muss im ­Besonderen ­geachtet werden, damit die ­Innovationskraft der Schweiz erhalten bleibt?
Auf jeden Fall sollten in allen Bereichen neue und zukunftweisende Potenziale erschlossen werden, ohne dass die staatliche Subventionierung zu Hilfe gezogen werden muss. Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann davon, dass nicht Subventionen und staatliche Steuerungen der Grund unseres heutigen Erfolges sind, sondern freies Denken sowie verantwortliches Handeln. Dazu tragen speziell auch die zahlreichen KMU-Betriebe ihren Teil bei.