Wie der gesamte Dienstleistungssektor befindet sich auch die Finanzbranche in einem radikalen Veränderungsprozess. Digitalisierung und Globalisierung führen zu Umwälzungen, die mit denjenigen der Industrialisierung und der Automatisierung für den Werkplatz vergleichbar sind. Wie der Finanzplatz Schweiz die damit verbundenen Herausforderungen meistert, muss uns alle beschäftigen – unabhängig davon, in welcher Branche wir tätig sind, und sogar unabhängig davon, ob wir überhaupt berufstätig sind.

Mit einem Anteil von rund einem Viertel am Weltmarkt ist der Finanzplatz Schweiz führend in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung. Insgesamt verwalten die Banken in der Schweiz Kundenvermögen von über 6500 Milliarden Franken. Das ist gut und wichtig für die Schweizer Volkswirtschaft und damit für den Wohlstand unseres ganzen Landes: Der Bankensektor ist eine der wichtigsten Exportbranchen und mit einem Anteil von rund neun Prozent am Bruttoinlandprodukt eine der zentralen Stützen unserer Wirtschaft. Die Stärke des Schweizer Bankenplatzes schafft darüber hinaus eine ideale Ausgangslage für alle Wirtschaftszweige. Die Verfügbarkeit von Kapital und ein breites und professionelles Beratungsangebot in allen Finanzfragen sind entscheidende Treiber für Innovation, Entwicklung und Fortschritt.

«Wir alle haben ein grosses Interesse daran, dass die Schweizer Banken ihre starke Position auf dem Weltmarkt halten.»

Deshalb haben wir alle ein grosses Interesse daran, dass die Schweizer Banken ihre starke Position auf dem Weltmarkt halten. Hier ist zunächst die Branche selbst gefordert. An ihr ist es, die Digitalisierung aktiv zu prägen, mitzugestalten und zum eigenen Vorteil zu nutzen. Dass der Finanzplatz Schweiz heute als eines der internationalen Fintech-Zentren gilt, ist ein ausgesprochen wichtiges Signal und nicht zuletzt ein Verdienst der klassischen, etablierten Unternehmen, die selber viel in diesen Bereich investieren und gleichzeitig eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit den «Jungen Wilden» anstreben. Dass wir als Kundinnen und Kunden schon heute von modernen und komfortablen Online-Services profitieren können, ist ein durchaus angenehmer Nebeneffekt dieser Entwicklung.

Genauso wichtig ist es aber, dass die Politik einen Rahmen schafft, der es dem Finanzplatz überhaupt erlaubt, konkurrenzfähig zu bleiben. Die internationale Regulierungsflut aufzuhalten, wäre ein anmassendes Ziel für ein einzelnes Land wie die Schweiz. Aber es muss die Aufgabe von uns Politikerinnen und Politikern sein, bei der Umsetzung neuer Regulierungen mit Augenmass vorzugehen. Konkret: Sich innenpolitisch auf die Übernahme jener internationalen Regeln zu konzentrieren, die notwendig sind, um den Zugang zu den wichtigen Märkten zu sichern. Und aussenpolitisch geht es darum, entschlossen um diesen Zugang zu kämpfen. Geradezu selbstzerstörerisch ist es dagegen, einer unserer wichtigsten Exportbranchen unnötige zusätzliche Hürden in den Weg zu legen. Genau dies geht im politischen Alltag leider allzu oft vergessen – auch weil es häufig attraktiver ist, nach neuen, vermeintlich «wasserdichten» Einschränkungen zu rufen, als für eine schlanke, auf möglichst viel individuelle Freiheit und internationale Konkurrenzfähigkeit ausgerichtete Gesetzgebung zu kämpfen.