Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft steht in der Kritik. Die Landwirtschaft stehe bei Pflanzenschutzanwendungen in einer besonderen Verantwortung, betont der Fachexperte David Brugger.

«Pflanzenschutzmittel werden benötigt, um gezielt Pflanzenkrankheiten und Schädlinge zu bekämpfen.»

Die Ansprüche von Handel und Konsumenten an die Produkte seien so hoch, dass dies alleine mit «Natur pur» kaum zu erreichen sei.

«Im Laden finden Sie nur Top-Ware. Der Konsument merkt so gar nicht, wie zum Beispiel ein Kopfsalat mit Blattläusen aussieht.

So gesehen steht der Landwirt zwischen Hammer und Amboss, zwischen hohen Produkteanforderungen und gleichzeitig dem Ziel, möglichst keine Chemie einzusetzen.»

Umwelt schützen, Produktion erhalten

Umweltschützer kritisieren, dass nach wie vor deutlich mehr Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, als nötig sind.

Was sagt Brugger dazu? Das müsse man differenziert betrachten, so seine Antwort. «Eine Studie der Forschungsanstalt Agroscope von 2013 bescheinigt, dass die Schweiz nicht mehr Pflanzenschutzmittel einsetzt als ihre Nachbarstaaten, tendenziell sind es sogar eher weniger.»

Pflanzenschutzmittel dienen vor allem dazu, Kulturpflanzen gesund und Unkräuter und Schädlinge fernzuhalten. Sie wirken jedoch auch dort, wo dies nicht erwünscht ist: zum Beispiel auf die Artenvielfalt.

Der Nationale Aktionsplan Pflanzenschutzmittel (NAP) nehme sich dieses komplexen Problems umfassend an, betont Brugger. Mit rund 50 Massnahmen soll erreicht werden, dass die Umwelt besser geschützt und gleichzeitig die Produktion in der Schweiz erhalten bleibt.

«Mit der richtigen Priorisierung der Massnahmen kann viel auf den einzelnen Betrieben erreicht werden, so unter anderem mit mehr mechanischer Unkrautbekämpfung, dem Anbau resistenterer Sorten und der einzelbetrieblichen Beratung.»

Ertragsrückgänge bei vollständigem Verzicht

Wenn man vollständig auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichten würde, müsste man gemäss Studien von Ertragsrückgängen von 20 bis 40 Prozent ausgehen, gibt Brugger zu bedenken. Aktuell gebe es zurzeit beim Rosenkohl einen Notstand.

«Weil der zentrale Wirkstoff gegen die weisse Kohlfliege seit diesem Jahr nicht mehr bewilligt ist, gibt es für Rosenkohl keinen Schutz mehr.» Der Anbau sei infrage gestellt.

«Für den einzelnen Betrieb ist dieses Risiko nicht verkraftbar, er muss auf die Kultur verzichten», so Brugger. Da schwankende Ernten auch für die Verarbeiter ein Problem seien, könne es zur Verlagerung der Nahrungsmittelindustrie ins Ausland kommen.